Was ist Borreliose eigentlich?

Freitag, 9. Mai 2025 | Achtsamkeit

Was ist Borreliose eigentlich?

Die Borreliose ist eine oft unterschätzte Multisystemerkrankung.

Es gibt Menschen – darunter leider auch Ärzte – die sagen, sie wäre eine Modeerscheinung. Und es könne doch nicht immer Borreliose sein…

Die Komplexität dieser Erkrankung versteht man wirklich oft erst, wenn man selbst oder jemand im engsten Umfeld erkrankt ist.

Engagierte Ärzte und Therapeuten sind nicht selten durch eigene Erfahrungen entweder bei sich selbst oder im Umfeld zu derart engagierten Ärzten geworden. Oft gab es ein Schlüsselerlebnis auch bei ihnen.

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Die Borreliose ist die häufigste durch Zecken übertragene Infektionskrankheit in Europa.

Laut dem Zentralinstitut kassenärztliche Versorgung wurden In Deutschland im Jahr 2021 bei 325.000 Patienten eine Lyme-Borreliose diagnostiziert. Die Dunkelziffer, also unerkannte Infektionen, ist groß.

Das Statistische Bundesamt hat dazu nun Zahlen für 2024 vorgelegt.

Die Zahl der Todesfälle nach Zeckenstichen ist 2024 in Deutschland gestiegen. Das geht aus Zahlen des Statistischen Bundesamts hervor. Demnach starben 24 Menschen an den Folgen eines Zeckenstiches. 15 Menschen erlagen der von Zecken übertragenen Borreliose, neun Todesopfer starben an der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME).

2023 starben 19 Menschen an einem Zeckenstich, davon 10 wegen Borreliose und 9 aufgrund einer FSME.….“

https://www.tagesschau.de/inland/gesellschaft/zecken-borreliose-fsme-todeszahlen-100.html

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Die Borreliose gehört zu den Zoonosen. Das bedeutet, dass sie vom Tier auf den Menschen übertragen wird. Aber auch eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist sehr wahrscheinlich.

Die Erkrankung wurde benannt nach dem Ortsnamen LYME in Connecticut, dem US-Bundesstaat, wo die Krankheit Ende der 70-er Jahre auf Grund ihrer Häufung zuerst entdeckt wurde. Sie wird auch Lyme-Borreliose, Lyme-Krankheit, Lyme Disease oder Zeckenborreliose genannt. Und alles meint dasselbe.

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Der Erreger der Borreliose ist das Bakterium Borrelia burgdorferi sensu stricto. Dieses Bakterium gehört zu den Spirochaeten, den schraubenförmigen Bakterien. Um ein Bild zu haben von der Form dieser Bakteriums, stelle dir die Feder einer Kugelschreibermine vor, dann liegst du schon ganz richtig. Diese Bakterien schrauben sich durch den Organismus und verursachen so jede Menge Schäden.

Beispiele für andere Borreliose auslösende Borrelienarten hierzulande sind Borrelia afzelii, B. bavariensis, B. garinii, B. mayonii oder spielmanii. Jede Art für sich kann auch spezifische Symptome machen. Oft treten sie gemeinsam jedoch auf.

Momentan sind über 20 zum Borrelia burgdorferi sensu lato Komplex (Lyme-Borreliose-Komplex) gehörende Borrelienarten beschrieben.

Eine andere Gattung der Spirochaeten ist der Syphilliserreger mit dem Namen Treponema pallidum. Und weil sich beide Erreger so ähnlich sind, ähneln sich die beiden Krankheitsbilder der Borreliose und der Syphillis. Wir sehen bei beiden Erkrankungen Entzündungs- und Schmerz-Symptomatiken an Haut, Nervensystem, Gelenken und Allgemeinbefinden.

Aber auch der Erreger der Leptospirose – Leptospira – gehört zu den Spirochaeten.

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Übertragen werden die Erreger oft von unserer bekanntesten Schildzeckenart – dem gemeinen Holzbock (lat. Ixodes ricinus).

Leider stehen auch alle anderen stechenden und blutsaugenden Insekten – wie Mücken, Bremsen usw. – im Verdacht, diese Bakterien zu übertragen. In Stechmücken und Pferdebremsen wurde z.B.  Borrelien- DNA nachgewiesen.

Bedeutende Wirtstiere für Zecken und gleichzeitig idealer Aufenthaltsort für die Borrelien sind kleine Nager wie Mäuse und Ratten, aber auch Vögel und andere Wirbeltiere wie Reptilien, Igel, Füchse, Kaninchen oder auch Wildschweine, Pferde und Hirsche. Überall, wo diese Tiere leben, leben auch die Zecken gern, weil diese sich vom Blut ihrer Wirtstiere ernähren.

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Nicht jeder bemerkt einen Zeckenstich. Die kleinen Nymphen (Babyzecken) sind mit bloßem Auge oft nicht zu erkennen.

Die Übertragung der Erreger geschieht – entgegen offizieller Darstellungen – möglicherweise nicht erst nach 8 bis 24 Stunden, sondern kann schon ziemlich unmittelbar erfolgen.

In Studien fand man eine systemische Infektion der Zecken mit Borrelien. So wurden Borrelien bereits vor der Fütterung der Zecken in deren Speicheldrüsen vorgefunden. Und in der Konsequenz haben wir dann natürlich viel kürzere Übertragungszeiten, als bislang angenommen und veröffentlicht.

„…Studien haben eine systemische Infektion und das Vorhandensein von Spirochaeten in den Zeckenspeicheldrüsen vor der Fütterung gefunden, was zu Fällen einer schnellen Übertragung führen könnte. Es gibt auch Hinweise darauf, dass die Übertragungszeiten von Spirocheten und die Virulenz von der Zecke und den Borrelien-Arten abhängen. Diese Faktoren unterstützen anekdotische Beweise dafür, dass eine Borrelien-Infektion beim Menschen innerhalb kurzer Zeit nach der Zeckenbindung auftreten kann…“

Zitat aus „Lyme borreliosis: a review of data on transmission time after tick attachment“ von Michael J. Cook in PMC PubMedCentral

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Wichtig ist auch, dass mit einer Übertragung der Borrelioseerreger auch andere Erreger mit übertragen werden können. Das ist nicht selten. Diese können sein: FSME-Virus, Anaplasmen, Ehrlichien, Babesien, Bartonellen, Rickettsien u.a. Sie werden Coerreger genannt und erschweren Diagnostik und Therapie zusätzlich.

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Die Einteilung der Lyme-Borreliose in drei Stadien gilt heute als überholt. Stattdessen teilt man den Verlauf in zwei Hauptphasen ein:

Die akute Borreliose (Frühphase), die typischerweise nach einigen Tagen bis Wochen mit klassischer  Wanderröte (Erythema migrans) direkt an der Einstichstelle beginnt. Leider gibt es diesen typischen roten Fleck bei weitem nicht bei allen Betroffenen !

Es können grippeähnliche Beschwerden wie leichtes Fieber, Abgeschlagenheit, Kopf- und Gelenkschmerzen auftreten. Wenn sich die Bakterien im Körper ausbreiten (früh-disseminiert), kann es hier schon zu akuten Nervenentzündungen (Neuroborreliose) oder Herzproblemen kommen.

Die chronische Borreliose (Spätphase), die bei unentdeckter akuter unbehandelter Infektion dazu führt, dass die Borrelien über Monate oder Jahre im Körper überleben, sich weiter im Gewebe fortbewegen und sich überall ansiedeln. In dieser Phase kommt es zu chronischen Entzündungen der Organe, zu schmerzhaften, wiederkehrenden Gelenkentzündungen (Lyme-Arthritis), chronischen Hautveränderungen wie die Acrodermatitis chronica atropicans (die Haut wird oft pergamentartig dünn und ist dunkelblau verfärbt) und/oder langwierigen Entzündungen des Nervensystems.

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Und so ist es – ob mit oder ohne Erythema migrans – sehr wichtig, einen Zeckenstich so früh wie möglich zu erkennen. Die Zecke sollte – meiner Meinung und Erfahrung nach – in ein geeignetes Labor geschickt werden und bei einem positiven Befund (wenn die Zecke Borrelien in sich trug) sofort hoch dosiert und ausreichend lange Zeit – über mindestens > 4 Wochen – mit Antibiotika behandelt werden.

Betroffene ohne Erythema migrans haben es viel schwerer, ihre Infektion nachzuweisen, weshalb die Gefahr der Chronizizierung steigt..

Hinzu kommt, dass viele zunächst vielleicht gar keine Symptome haben. Diese können erst Monate, ja sogar Jahre später auftreten. Niemand bringt dann das Symptomwirrwarr noch mit einem Zeckenstich in Verbindung.

Gelähmt durch Zeckenbiss! Wie gefährlich ist Borreliose? | Akte | SAT.1 TV

Und so gibt es immer wieder Menschen, die aufgrund einer nicht erkannten Borreliosesymptomatik beim Psychologen oder in Psychiatrien landen. Oder auf OP-Tischen und der Chirurg tauscht das eigene Knie gegen ein künstliches aus. Diese nur symptomorientierte Behandlung hilft dem Patienten in diesen Fällen nicht nachhaltig.

Borreliose nach Zeckenstich: Symptome, Diagnose und Spätfolgen

Es gibt auch eine Unmenge an Fehldiagnosen, wenn die eigentlich zu Grunde liegende Borreliose nicht gefunden wird.

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